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17 Millionen für gestern oder für morgen?

Arnold Redhammer veröffentlicht 14 Min. Lesezeit

Der Kasberg ist gerettet – vorerst, bis 2028. Bis zu 17 Millionen Euro hat das Land dafür freigegeben, für ein Skigebiet mit einer Talstation auf 620 Metern. Die ehrliche Antwort ist unbequem: Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Aber man kann jetzt entscheiden, ob man in den Status quo investiert oder in die Zukunft des Almtals.

Kernaussagen

  • Nicht ein Skigebiet retten, sondern eine Landschaft das ganze Jahr sinnvoll nutzen. Es geht um eine Region, nicht um einen Lift.
  • Erstes Standbein: das Almtal als Hunderegion Oberösterreichs – kaufkräftige Gäste, das ganze Jahr, kaum Bauten nötig.
  • Zweites Standbein: Regenerationswochen für Menschen auf dem Weg ins Burnout, anknüpfend an die Gesundheitsvorsorge Aktiv.
  • Grünau setzt auf das, was nur Grünau hat: Verhaltensforschung, frei lebende Wildtiere, Almsee, einen Bogenparcours auf 1.600 Metern – und vielleicht ein Gravel-Rennen im Weltkalender.
  • Ein Zonenplan statt eines Sammelsuriums: Jede Nutzung bekommt ihren Raum, die Landschaft trägt alle.
  • Öffentliches Geld für Infrastruktur, privates Geld für Angebote. Nichts wird hergekarrt, nichts künstlich erzeugt.

Gerettet bis 2028

Am 1. Oktober 2026 hat der Oberösterreichische Landtag bis zu 17 Millionen Euro für den Kasberg freigegeben. Bis zu 10 Millionen gehen in Übernahme, Betrieb bis 2028, notwendige Investitionen und die Planung eines Beschneiungskonzepts. Bis zu 7 Millionen sind für Verpflichtungen gegenüber dem Personal, für Rückbau und Rekultivierung vorgesehen. Die Bergbahnen gehen an eine Gesellschaft, die zur Seilbahnholding des Landes gehört – derselben Gruppe, zu der Hinterstoder und die Wurzeralm gehören.

Die Vorgeschichte ist lang. Zwei Insolvenzen, 2010 und 2023. Seit 2006 hat die öffentliche Hand mehr als 7 Millionen Euro investiert, dazu kam ab 2016 eine Abgangsdeckung von bis zu einer Million Euro pro Jahr. Die Beschneiungsanlage stammt aus dem Jahr 2003 und war nur als Ergänzung gedacht. Die Gondel ist alles andere als modern. Für eine echte Zukunft als Skigebiet nannten die bisherigen Betreiber einen Bedarf von rund 30 Millionen Euro.

Gleichzeitig ist etwas passiert, das man ernst nehmen muss: Die Menschen der Region haben sich für ihren Berg eingesetzt. Aus rund 67.000 Eintritten pro Saison wurden in zwei Jahren rund 100.000. Diese Verbundenheit ist das größte Kapital des Almtals. Die Frage ist, wofür man sie einsetzt.

Die ehrliche Antwort

Eine schnelle Lösung gibt es nicht. So ehrlich muss man sein. Niemand kann Grünau garantieren, dass alles so weitergeht wie bisher.

Das klassische Skigebiet beruht auf Annahmen, die nicht mehr tragen: verlässliche Winter, steigende Gästezahlen, planbare Saisonen. Diese Annahmen sind nicht ideologisch widerlegt, sondern faktisch. Ein Skigebiet mit einer Talstation auf 620 Metern hängt am Kunstschnee, und Kunstschnee hängt an der Temperatur. Wer daran festhält, verwaltet einen Zustand, der nicht mehr existiert.

Das sagt nicht nur die Kritik. Der Landesrechnungshof hat 2023 empfohlen, dass niedrig gelegene Skigebiete ihre Anlagen ganzjährig wirtschaftlich nutzen und Investitionen auf den Tourismus außerhalb des Winters ausrichten. Und eine Studie der Johannes Kepler Universität, beauftragt von den Unterstützern des Skibetriebs, kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Ohne modernisierte Lifte würden die Winternächtigungen um 70 Prozent einbrechen – die Sommernächtigungen aber nur um 10 Prozent. Der Sommer trägt also schon heute weitgehend ohne Lifte. Das Problem ist der Winter, und dort hilft mehr Geld für Schnee am wenigsten.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie man den Winterbetrieb verlängert. Sie lautet: Welche Nutzung trägt das ganze Jahr?

Vom Skigebiet zur Nutzungslandschaft

Es geht nicht darum, ein Skigebiet zu retten. Es geht darum, eine Landschaft sinnvoll zu nutzen. Und es geht um eine Region. Grundeigentümer, Forst, Landwirtschaft, Gastgeber und Gemeinden leben alle vom selben Tal. Wenn die Jungen wegziehen und die Betriebe zusperren, verlieren alle.

Eine Nutzungslandschaft ist kein Freizeitpark. Sie lebt davon, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Dinge tun – zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten. Für alles gilt ein Grundsatz: Nichts wird hergekarrt, nichts künstlich erzeugt. Kein Kunstschnee, kein Schneetransport. Das System funktioniert auch dann, wenn ein Winter ausfällt, weil es nicht von einer einzigen Nutzung abhängt.

Die Gondel ist ein Transportmittel

In vielen Diskussionen wird so getan, als müsste mit dem Skibetrieb zwangsläufig jede Anlage verschwinden. Das ist ein Denkfehler. Eine Gondel ist kein Symbol des Skisports. Sie ist ein Transportmittel. Richtig eingesetzt, verbindet sie Höhenlagen und öffnet den Berg für alle, die nicht 1.000 Höhenmeter zu Fuß gehen können: Kinder, ältere Menschen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität – und ältere Hunde.

Für die meisten Schlepplifte gilt das nicht. Sie sind teuer im Betrieb, stark saisonabhängig und belasten die Landschaft. Der Normalfall ist deshalb Rückbau. Das Geld dafür ist bereits beschlossen.

Für die Gondel gilt eine klare Bedingung: Sie bleibt, wenn sie sich durch die Nutzung über das ganze Jahr rechtfertigt. Was eine Erneuerung kostet, muss offen auf den Tisch, bevor entschieden wird. Die folgenden Bausteine geben ihr jedenfalls mehr Gründe zu fahren als jeder Pistentag.

Erstes Standbein: die Hunderegion Oberösterreichs

Ein Hund ist für viele Menschen Familie. Und Familie fährt mit in den Urlaub. In einer Umfrage unter mehr als 2.000 Hundehalterinnen und Hundehaltern in Deutschland gaben über 93 Prozent an, den Hund in den Urlaub mitzunehmen. Österreich ist für sie das drittbeliebteste Ziel im Ausland. Genannt werden Tirol und das Salzburger Land. Oberösterreich kommt auf dieser Landkarte nicht vor.

Das ist eine Lücke, und sie ist wertvoll. Branchenanalysen beschreiben diese Gäste als kaufkräftig, mit einem Schwerpunkt bei den 55- bis 64-Jährigen. Ein Drittel der Halterinnen und Halter in Deutschland würde für ein verlängertes Wochenende mehr als 1.000 Euro ausgeben, wenn der Hund willkommen ist. Viele sind an keine Schulferien gebunden. Sie kommen im Mai, im Oktober, im November – genau dann, wenn Grünau Betten frei hat. Und wer einen Ort gefunden hat, an dem der Hund wirklich willkommen ist, kommt wieder.

„Hundefreundlich“ steht auf vielen Unterkünften. Eine Region, die sich als Ganzes darauf ausrichtet, ist selten. Genau das kann das Almtal werden:

  • Unterkünfte mit eingezäuntem Garten und Hundedusche, Gasthäuser, in denen der Hund mit hinein darf
  • Hundesport und Training: Fährtensuche, Laufen mit Hund, ein Agility-Platz, geführte Touren, eine Hundeschule vor Ort
  • Mit der Gondel auf den Berg, an der Leine zum Gipfel
  • Ein Tierarzt in Reichweite

Damit das Versprechen hält, braucht es zweierlei. Erstens die Gastgeber: Ein gemeinsames Versprechen mit klaren Kriterien und genug Betrieben, die es vom ersten Tag an erfüllen. Wer dreimal hört „Hunde leider nicht“, ist weg. Zweitens Sauberkeit. Das funktioniert nicht von selbst: Beutelspender, Mülleimer, die auch geleert werden, ein Reinigungsdienst auf den Hauptwegen – bezahlt über einen Hundebeitrag pro Nacht, wie ihn viele Unterkünfte ohnehin verlangen. Das ist auch eine Frage des Respekts gegenüber der Landwirtschaft: Hundekot auf Weiden kann Krankheiten auf Rinder übertragen. Wer die Bäuerinnen und Bauern im Boot haben will, nimmt das ernst.

Das Schöne an diesem Standbein: Es braucht kaum Bauten, keinen Schnee und keine Genehmigung einer Behörde. Es braucht Gastgeber, Wege und Regeln.

Zweites Standbein: Regeneration statt Kur

Burnout bedeutet oft monatelangen Krankenstand. Zwei, drei Wochen zur richtigen Zeit sind dagegen günstig. Das zweite Standbein sind deshalb Regenerationswochen für Menschen, die auf dem Weg ins Burnout sind: Bewegung in der Natur, Bogensport, Wandern, Rad, begleitet von Sportwissenschaft und Psychologie. Kein Programm, das um sechs Uhr früh mit einer Terminkette beginnt, denn genau dieser Takt macht krank. Sondern Ruhe, Wahlfreiheit und Bewegung als Angebot. Mit bewusst gewählten Zonen ohne Netz.

Dafür muss man nichts Neues erfinden. Die Pensionsversicherung hat die klassische Kur bereits durch die Gesundheitsvorsorge Aktiv ersetzt, mit mehr Bewegung und psychologischen Modulen. Eine Einrichtung im Almtal, die Vertragspartner wird, schafft eine planbare Grundauslastung über das ganze Jahr – so wie früher die Kur für die Kurorte. Langfristig braucht es ein eigenes Finanzierungsmodell für Gesundheit und Sport. Anfangen kann man aber mit dem, was es schon gibt.

Was nur Grünau hat

Eine Rodelbahn gibt es in der Nachbarregion. Eine Trampolinhalle gibt es in Leonding. Wer kopiert, konkurriert mit dem Original. Grünau hat etwas, das niemand kopieren kann.

In Grünau wird seit Jahrzehnten Verhaltensforschung betrieben. Die Graugänse der Forschungsstelle leben frei und bleiben trotzdem. Eine frei fliegende Kolonie des Waldrapps – eines Vogels, der in Europa ausgestorben war und heute wieder ausgewildert wird – lebt hier. Dazu der Almsee, die Wälder, die Wildtiere.

Daraus wird das Familienthema: Tiere und Natur erleben, ohne sie einzusperren. Spuren lesen, Tiere beobachten, Forschung zum Anfassen, geführte Touren, Beobachtungsstände und Kameras mit Livebild ins Tal – das auch bei Regen funktioniert. Wildruhezonen gehören dazu, sonst stört die Beobachtung genau das, was sie zeigen will.

Für die Jüngsten braucht es auch Spektakel. Im Tal, nahe beim Parkplatz und teilweise überdacht, könnte ein Themenpark entstehen, der eine Geschichte erzählt, die nur hier spielt: Als die Alpen ein Meer waren. Das Gestein der Kalkalpen stammt aus einem urzeitlichen Meer. Riesige Meerestiere zum Staunen, Riffe zum Klettern, Fossilien zum Suchen.

Dazu, wenn es sich rechnet, eine Halle für Schlechtwetter: Kart, Trampolin, Bowling, eine kleine Gastronomie mit Schinkenstangerl und Kren. Kein Grund zum Anreisen, aber ein Grund zu bleiben, wenn es regnet. Und ein Treffpunkt für das ganze Almtal, für Kirchdorf und Gmunden, unter der Woche und außerhalb der Saison. Betrieben privat, nicht mit Steuergeld.

Ein Kinderclub für Gäste, der auch den Kindern aus dem Ort offensteht, und Projektwochen für Schulklassen mit Natur, Bewegung und Zirkuspädagogik füllen die Wochen zwischen den Ferien. Damit wird auch das Personal das ganze Jahr gebraucht.

Am Berg: Bogen, Rad und Gravel

Bogensport ist eine wachsende Nische, und er funktioniert auch im Schnee. Parcours gibt es in Oberösterreich schon viele, meist im Wald und in mittleren Lagen. Was es nicht gibt: einen Hochparcours auf 1.600 Metern. Mit der Gondel hinauf, weite Schüsse bergab, das Almtal unter sich. Dazu ein einfacher Parcours im Tal für Familien und Einsteiger. Wer dort Gefallen findet, fährt beim nächsten Mal hinauf.

Mountainbike und Downhill bekommen eigene Trails von der Bergstation, die Gondel nimmt die Räder mit. Und das Almtal ist wie gemacht für Gravel: Forststraßen, Talwege, die Verbindung zum Almsee und weiter ins Salzkammergut. Ich bin diesen Sommer mit Gepäck am Rad von Innsbruck nach Sevilla gefahren, 3.000 Kilometer. Ich weiß, wonach Radreisende suchen: gute Wege, eine Unterkunft, die das Rad sicher unterstellt, und einen Ort, an dem man willkommen ist. Radfahrerinnen und Radfahrer geben Geld aus, genauso wie Hundehalterinnen und Hundehalter.

Und man kann größer denken. Der Weltradsportverband UCI hat eine eigene Serie für Gravel-Rennen, 2026 mit 45 Veranstaltungen weltweit. Österreich ist bisher mit dem Rennen am Wörthersee vertreten. Ein Rennen dieser Serie ist ein Massenstart für Profis und Hobbyfahrer gemeinsam, 50 bis 175 Kilometer lang, mindestens 60 Prozent davon abseits des Asphalts – genau das, was die Forststraßen des Almtals bieten. Wer dort gut abschneidet, qualifiziert sich für die Weltmeisterschaft. Ein solches Rennen bringt Tausende Fahrerinnen und Fahrer samt Begleitung für ein Wochenende ins Tal, legt man es in den Frühling oder Herbst, mitten in die Nebensaison. Der Weg dorthin führt über ein erstes Rennen ohne UCI-Status, das zeigt, dass Strecke, Organisation und Betten funktionieren. Der naheliegende erste Schritt ist die Austria Top Tour, Österreichs größte Serie für Radmarathons mit rund 13.000 Teilnehmenden im Jahr 2026. Wie viel so ein Rennen für eine Region bedeutet, zeigt die Salzkammergut Trophy in Bad Goisern: mehr als 4.200 Starterinnen und Starter aus 42 Nationen, ein Wochenende lang alle Betten voll. Ein Gravel-Rennen hat die Serie bisher nicht. Das Almtal könnte das erste sein. Die Nähe zur Trophy ist dabei keine Konkurrenz, sondern eine Stärke: Mountainbike im Sommer in Bad Goisern, Gravel im Herbst im Almtal – so wird aus zwei Rennen eine Radregion, in die man immer wieder kommt. Und ein Renntag ist für den Forst leichter zu genehmigen als ein ganzes Netz – der Einstieg in die Zusammenarbeit.

Einen Knackpunkt gibt es, und er ist rechtlich. Radfahren auf Forststraßen ist in Österreich nur mit Zustimmung der Grundeigentümer erlaubt. Ohne Vereinbarung mit dem Forst gibt es kein legales Netz. Dafür muss der Forst an den Tisch, und er muss etwas davon haben: eine Abgeltung pro Kilometer, eine Haftung, die die öffentliche Hand oder eine Versicherung übernimmt, Geld für die Wegepflege, Lenkung statt Wildwuchs – gefahren wird heute ohnehin, nur eben ungeregelt – und das Recht zu sperren, wenn Holz geerntet oder gejagt wird. Das ist kein Zugeständnis an Radfahrer. Es ist ein Beitrag zur Zukunft der Region, von der auch der Forst lebt.

Eine Landschaft, viele Räume

So viele Nutzungen an einem Berg können sich in die Quere kommen. Freilaufende Hunde vertreiben Wildtiere. Ein Bogenparcours verträgt keinen Wanderweg in der Schusslinie. Wer sich erholen will, braucht Ruhe. Downhill hat auf Wanderwegen nichts verloren. Und im Sommer weidet auf der Alm das Vieh.

Die Lösung ist kein Verbot, sondern ein Zonenplan. Das Gebiet ist groß, allein die Pisten sind 23 Kilometer lang:

  • Freilaufzonen für Hunde im Tal und in mittleren Lagen; oben an der Leine auf markierten Wegen
  • Bogenparcours oben und unten, jeweils abgegrenzt
  • Wildruhezonen, die niemand betritt
  • Ruhige Bereiche für die Regenerationswochen
  • Familienangebote und Halle im Tal, beim Parkplatz
  • Eigene Trails für Downhill, Gravel auf den breiten Forststraßen

Das Laute ins Tal, das Ruhige auf den Berg. Die räumliche Planung ist der eigentliche Kern der Nutzungslandschaft. Sie unterscheidet einen Plan von einem Sammelsurium.

Ein Paket statt Einzelrettung

Das Land hält über seine Seilbahnholding den Kasberg, Hinterstoder und die Wurzeralm. Es wäre absurd, wenn diese Gebiete einander mit denselben Angeboten Konkurrenz machen. Jedes bekommt ein eigenes Profil. Schnee-Investitionen gehen dorthin, wo es hoch genug ist. Hinterstoder liegt rund 33 Kilometer entfernt. Skikurse und Familien, die Ski fahren wollen, kommen mit dem Shuttle dorthin. Das Almtal wird das Ganzjahresgebiet der Gruppe.

Dazu gehören zwei Dinge, die das Tal ohnehin braucht. Erstens schnelles Internet im ganzen Ort, über Glasfaser und die bestehende Breitbandförderung. Damit kommen auch Menschen, die von unterwegs arbeiten und ein paar Wochen bleiben. Zweitens die Anreise: Die Almtalbahn fährt von Wels bis Grünau. Mit Rad, mit Hund, mit Gepäck – und vom Bahnhof weiter mit einem Rufbus zur Talstation. Die meisten Gäste werden trotzdem mit dem Auto kommen. Das ist so, und das Modell verbietet nichts.

Die Menschen zuerst

Ein Umbau ohne die Menschen, die heute vom Winter leben, wäre kein Fortschritt. Liftpersonal, Skilehrerinnen und Skilehrer, Wirte und Vermieter brauchen einen Übergang. Aus Liftpersonal und Skischulen werden Guides, Trainerinnen und Trainer, Betreuerinnen und Betreuer für Rad, Wandern, Bogensport, Hundesport und die Regenerationswochen. Die Umschulung ist modular und beginnt, bevor der letzte Lift steht. Ein Teil der beschlossenen Millionen ist ausdrücklich für Verpflichtungen gegenüber dem Personal vorgesehen. Er sollte in diesen Übergang fließen.

Wer was bezahlt

Die Logik ist einfach: Öffentliches Geld für Infrastruktur, privates Geld für Angebote. Die öffentliche Hand sorgt für Gondel, Wege, Glasfaser, Anbindung an die Bahn und den Zonenplan. Rodelbahn, Halle, Themenpark und Unterkünfte errichten private Betreiber, sobald die Infrastruktur steht und die Region ein klares Profil hat.

Zum Vergleich: Für eine vollständige Beschneiung nannten die bisherigen Betreiber 11 bis 15 Millionen Euro, dazu Speicherteiche. Auf zwanzig Jahre gerechnet war von bis zu 70 Millionen die Rede – für einen Winter, der immer seltener kommt. Dass ein Umbau gelingen kann, zeigen andere: Die Wexl Arena in St. Corona am Wechsel hat sich vom kleinen Skigebiet zum Ganzjahresziel mit Bike-Angeboten entwickelt. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut sieht die Nachfrage seit Jahren in Richtung Sommer und Nebensaison wandern.

Einwände und Antworten

„Ohne Skigebiet stirbt das Tal.“
Nach der Studie der Unterstützer bleiben 90 Prozent der Sommernächtigungen auch ohne Lifte. Das Tal stirbt nicht ohne Ski. Es stirbt, wenn es nichts Neues aufbaut, während der Winter wegbricht.

„Investoren wollen eine sichere Wintersaison.“
Eine sichere Wintersaison auf 620 Metern kann niemand versprechen, auch nicht mit Kunstschnee. Ganzjährige Auslastung durch Hunde, Rad und Regeneration ist für Investoren planbarer als ein Winter, der vom Wetter abhängt.

„Hunde machen Dreck und Ärger.“
Wenn man nichts regelt, ja. Mit Zonen, Leinenpflicht, wo es nötig ist, Reinigung und einem Beitrag der Gäste wird daraus ein Geschäft, von dem auch die Landwirtschaft profitiert.

„Das klingt nach vielen Ideen.“
Es sind zwei Standbeine und ein Kern, der nur Grünau gehört. Alles andere kommt dazu, wenn die Nachfrage es trägt.

Grünau als Pilot

Grünau ist kein Sonderfall. Es ist ein frühes Beispiel für ein Problem, das viele niedrig gelegene Skigebiete in Europa betrifft. Was hier gelingt, können andere übernehmen.

Der Übergang vom Skigebiet zur Nutzungslandschaft ist kein technisches, sondern ein mentales Problem. Es geht um den Abschied von der Idee, dass eine einzige Nutzung alles andere verdrängt. Identität entsteht nicht aus dem Festhalten an alten Bildern, sondern aus der Fähigkeit, sich an die Wirklichkeit anzupassen. Grünau wäre damit kein Symbol des Niedergangs, sondern ein Ort, an dem sich zeigt, wie es weitergehen kann.

17 Millionen sind beschlossen. Die Frage ist nur noch: für gestern oder für morgen?

Andockflächen

Was dieses Modell aus unterschiedlichen Blickwinkeln bringt.

Gemeinde und Region
Ganzjährige Auslastung statt Hoffen auf den Winter – Arbeitsplätze, Betten und Leben im Tal das ganze Jahr.
Gastgeber
Gäste in der Nebensaison: Hundehalterinnen und Hundehalter, Radfahrerinnen und Radfahrer, Regenerationswochen – kaufkräftig und nicht an Ferien gebunden.
Budget
Öffentliches Geld nur für Infrastruktur, die bleibt – nicht für Kunstschnee, der jedes Jahr neu bezahlt werden muss.
Beschäftigte
Ein geplanter Übergang vom Lift zu neuen Berufen als Guide, Trainerin oder Betreuer, bevor der letzte Lift steht.
Forst und Grundeigentümer
Abgeltung, geregelte Haftung, mitfinanzierte Wegepflege und Lenkung statt Wildwuchs.
Landwirtschaft
Klare Wege, Regeln und Sauberkeit auf den Almen – und Gäste, die regionale Produkte kaufen.
Gesundheit
Regenerationswochen vor dem Burnout sind billiger als monatelanger Krankenstand.
Familien
Tiere und Natur erleben, ein Themenpark, der eine echte Geschichte erzählt, und ein Programm auch bei Regen.
Natur und Klima
Kein Kunstschnee, keine Speicherteiche, Rückbau der meisten Lifte, Wildruhezonen.
Europa
Ein Pilot für die vielen niedrig gelegenen Skigebiete, die vor derselben Frage stehen.

Zitieren & weitergeben

Redhammer, A. (2026): 17 Millionen für gestern oder für morgen?. DIGITALEKLAT, 22.10.2026. https://digitaleklat.world/essays/vom-skigebiet-zur-nutzungslandschaft

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